Kräuterbinden in Warendorf vor dem Ende

Letztes Kräuterbinden ohne Nachfolge Letztes Kräuterbinden ohne Nachfolge pixabay/Foto illustrativ

In Warendorf steht eine jahrzehntelange Tradition kurz vor dem Aus. Seit fast 25 Jahren banden Frauen der KFD St. Laurentius Kräutersträuße zu Mariä Himmelfahrt – doch nun fehlen Helferinnen, Zeit und Kraft. Die letzte Aktion ist abgesagt. Eine Fortführung nicht möglich.

Inhaltsverzeichnis:

Elisabeth Köster und die neuen Abläufe in Seniorenheimen

Früher wurden jährlich rund 300 kleine Sträuße gebunden und während der Feierlichkeiten in der Kirche geweiht. Die symbolträchtigen Gebinde galten als Segen für das kommende Jahr und wurden an Menschen in Seniorenheimen verteilt. Seit der Pandemie hat sich das Ritual jedoch gewandelt. Elisabeth Köster erklärt, dass inzwischen nur noch etwa 20 große Sträuße direkt für die Heime gebunden werden. Die Gottesdienste finden dort vor Ort statt, was neue Abläufe erfordert. Die Sträuße bleiben nun direkt in den Einrichtungen.

Irmgard Stuke und der Rückgang beim Sammeln

Das Sammeln der Kräuter war stets eine zeitaufwendige Aufgabe. In den letzten fünf Jahren schrumpfte die Zahl der Sammlerinnen erheblich. Irmgard Stuke berichtet, dass vom einstigen Kernteam nur noch drei Frauen übrig sind. Ursprünglich beteiligten sich sieben bis zehn Personen. Die verbleibenden Frauen fühlen sich altersbedingt nicht mehr imstande, die Arbeit zu leisten.

Gründe für das Ausbleiben des Nachwuchses

  • Berufstätigkeit der Frauen
  • Familie und Haushalt beanspruchen Zeit
  • Geringe Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement

Marie-Luise Meier bedauert, dass sich keine Nachfolgerinnen finden lassen.

Aufwendige Sammlung in Sassenberg

Die Kräutersuche begann meist sonntagmorgens. Zwei volle Tage investierten die Frauen in das Sichten und Sammeln von Pflanzen wie Schafgarbe, Goldrute, Lavendel, Rosmarin und Salbei. Elisabeth Köster erinnert sich: „Kurz vor Mariä Himmelfahrt wurden oft die Grünstreifen gemäht – ein idealer Zeitpunkt.“ In den letzten Jahren wichen die Sammlerinnen auf Flächen bei Sassenberg aus, um geeignetes Material zu finden.

Zum eigentlichen Binden der Sträuße fanden sich stets genügend Helferinnen. Frauen aus benachbarten Gemeinschaften unterstützten den Vorgang. Doch auch aus diesen Gruppen war niemand bereit, an der kräfteraubenden Sammlung teilzunehmen. Irmgard Stuke vermutet, dass vor allem der organisatorische Aufwand abschreckt.

Letzte Aktion fällt aus

Für dieses Jahr war ursprünglich eine letzte Aktion geplant. Aus gesundheitlichen Gründen ist sie nun nicht mehr durchführbar. Ein Ersatz ist nicht vorgesehen. Damit endet eine jahrzehntelange Tradition in Warendorf ohne Nachfolge.

Quelle: Die Glocke, webrivaig.com/de